An dieser Stelle möchten wir aus der sehr gelungenen Festschrift zum 50. Jubiläum des Schützenvereins verfasst von unserem langjährigen 1. Vorsitzenden Günter Wiedenbach zitieren:
Am 31.7.1926 wird der Schützenverein Seckenhausen von 25 Mitgliedern "aus der Taufe gehoben". Schon damals ist man so fortschrittlich, eine Satzung auszuarbeiten, und zwar nach dem Muster der des Schützenvereins Fahrenhorst. Jedoch ist der Schützenverein Seckenhausen vor 50 Jahren ein exklusiver Club, der RM20,-- Eintrittsgeld (fast einen Arbeiterwochenlohn) und RM 5,-- Jahresbeitrag erhebt. Das Eintrittsalter wird auf 21 Jahre festgesetzt. Zum ersten Vorsitzenden wird der Lehrer Hermann Pfalzgraf gewählt, der den Verein bis zum zweiten Weltkrieg leitet. Der Verein geht sogleich daran, einen Schießstand zu bauen und zwei großkalibrige Scheibenbüchsen anzuschaffen. Das erste Schützenfest findet am 5./6.9.1926 statt, wobei als erster Schützenkönig Johann Kohlwey, Hallenhausen ermittelt wird. Am ersten Festtag intoniert eine Musikkapelle von nicht weniger als neun Mann, am zweiten Tag von sieben.Obwohl die Anschaffung von Uniformen um ein Jahr zurückgestellt wird, muß der Verein doch von Anfang an floriert haben, denn 1927 beschließt man, ein KK-Gewehr und 1928 für die Offiziere Degen sowie für die Oberschützen Hirschfänger anzuschaffen. Die Mitliederzahl (49) hat sich bis zum Jahre 1929 verdoppelt. Eine Vereinsfahne wird angeschafft und mit 12 Jungschützen eine Jugendabteilung gegründet. Bereits 1930 erfolgt die erste Schießstanderweiterung und die Anschaffung von zwei automatischen Anzeigern.
Die nun folgenden wirtschaftlich schlechten Jahre äußern sich darin, daß verschiedentlich Schützen (wahrscheinlich wegen nicht geleisteter Beitragszahlungen) ausgeschlossen und der Jahresbeitrag 1933 auf RM 2,-- sowie das Eintrittsgeld auf RM 10,--gesenkt werden müssen. Um dem König eine Bewirtung seiner Kameraden zu ermöglichen, setzt man das Königsgeld (Vereinszuschuß für den König) auf RM 8,-- fest. 1934 beträgt das Kassendefizit RM 132.74, das durch eine Umlage von RM 1,-- pro Schütze gemindert wurde.
Nun kommen auch vermehrt nationale und politische Töne hinzu. In der Generalversammlung vom 14.1.1934 wird der Hoffnung Ausdruck verliehen, "jeder Schützenbruder möge dazu beitragen, das Vaterland aufzubauen". "Wehrhafterhaltung und Wehrhaftmachung" werden als die Ziele der Schützenvereine im "Dritten Reich" genannt. Opfer werden verlangt und geleistet: Der Reinerlös der Frühjahrsschießen kommt dem "Winterhilfswerk" zugute. 1936 weist die Kasse erstmals wieder einen Überschuß von 41.25 RM aus, aber nicht weniger als 33 Mitglieder konnten ihren Beitrag nicht bezahlen!
Während der Kriegsjahre ruht der Vereinsbetrieb. (Die letzte Versammlung, die sich in den Protokollbüchern feststellen ließ, war am 7.2.1939.) Der Krieg reißt schmerzliche Lücken unter den Vereinsmitgliedern, die wir hier jedoch leider nicht namentlich aufführen können. Erst 10 Jahre später erfolgt die Neugründung (alle Vereine waren zwangsweise aufgelöst worden), und zwar am 15.5.1949. Dazu heißt es im betreffenden Protokollauszug: "Da es durch Verordnung der Militärregierung möglich ist, auch Schützenvereine neuzugründen, allerdings mit der Maßgabe, daß der Schießsport nicht mit Feuerwaffen ausgeübt werden darf, so glaubten viele ehemalige Schützenbrüder, der Schützenverein müsse unbedingt wieder ins Leben gerufen werden."
Hier der erste Vorstand nach dem Kriege:
1. Vorsitzender: Johann Kohlwey Stellvertreter: Heinrich Wittenberg
1. Schriftführer: Heinrich Lammers Stellvertreter: Fritz Siemer
Kassenwart: Heinrich Eggers Stellvertreter: Heinrich Meyer 43
Am 16./17.7.1949 wird das erste Schützenfest nach dem Krieg unter reger Beteiligung der Bevölkerung gefeiert. Die Schützen marschieren im Schützenumzug auf der Fahrbahn der B 51, die noch Kopfsteinpflaster aufweist, hinter dem provisorischen Vereinszeichen, einer überdimensionalen Armbrust, da das Flaggentuch der Vereinsfahne eine "Kriegsbeute" der Engländer wurde. Uniform: dunkler Anzug mit Hut und blumengeschmücktem Spazierstock. Der Hauptmann reitet in Frack und Zylinder vorweg. (Die wenigen Autofahrer, die dem Zug unterwegs begegnen, halten an und grüßen!)
Die Schützenbrüder lassen sich nicht unterkriegen! 1950 gehören dem Verein bereits wieder 57 Mitglieder an; 1951 weist die Kasse einen Bestand von 1187,07 DM auf, drei Jahre nach Einführung der neuen Währung, wahrlich ein stolzer Betrag, wenn man bedenkt, daß der Arbeiterstundenlohn zu der Zeit etwa 1,-- DM beträgt.Am 7./8.7.1951 wird auf dem 25jährigen Stiftungsfest eine neue Fahne geweiht. An Stelle der anfänglichen Luftgewehre werden schon bald KK-Gewehre eingeführt, wenn auch noch lange Zeit später aus finanziellen Gründen viel mit Luftgewehren geschossen wird. Um Jedem Schützen eine Teilnahme am Königsschießen zu ermöglichen, wird anfangs ein Königsgeld von 100,-- DM und ab 1953 von 250,-- DM gewährt, was dem Monatsgehalt eines Referendars entspricht. Von diesem Jahre an können die Schützen sich auch wieder Uniformen leisten, und 1955 gehen sie daran, einen modernen KK-Schießstand mit drei 100m- und drei 50m Scheiben zu erstellen, der mit Erdwällen gesichert wird. Die Arbeiten werden - vom Einsatz einer Planierraupe abgesehen - in Eigenleistung ausgeführt. Landwirte, die sich mit den damals noch äußerst spärlichen Treckern an den Arbeiten beteiligten, erhalten das verbrauchte Dieselöl vom Verein ersetzt, so knapp ist das Geld immer noch!
Nach dem Tode des langjährigen 1. Vorsitzenden Johann Kohlwey wird am 11.1.1958 in geheimer Wahl Günter Wiedenbach zu seinem Nachfolger gewählt. Eine Fülle von Veränderungen und Ereignissen folgen in den nächsten Jahren: von 1959 an wird der alte Schützenkönig während des Umzuges vom gesamten Verein abgeholt, ein Brauch, der sich gut einbürgerte. Nacheinander werden mehrere Scheibenautomaten angeschafft. Der Verein nimmt an der 900-Jahr-Feier in Brinkum mit einer starken Abordnung teil. Beim Schießen der ehemaligen Vereinskönige kommen vier der besten fünf Schützen aus Seckenhausen. Johann Meyer wird der "König der Könige". Luft- und KK-Gewehre mit Diopter werden zugelassen. Beim 40. Jubiläum kann der Verein nicht weniger als 17 Vereine begrüßen, davon 12 auswärtige. 1968 wird die Damenabteilung aufgestellt und mit Gisela Rottmann die erste Schützenkönigin ermittelt. Die schießsportlichen Leistungen der Damen sind übrigends erstaunlich gut. Seit 1970 werden Halbjahresversammlungen eingeführt. Der Verein nimmt an vielen auswärtigen Schießsportveranstaltungen teil und erwirbt eine große Anzahl von Pokalen und Trophäen. Man beginnt mit der Ausarbeitung einer Satzung. 158 Schützinnen und Schützen sowie Jungschützinnen und Jungschützen gehören zu den Mitgliedern.
Am 9.1.1971 legt Günter Wiedenbach sein Amt als 1. Vorsitzender nieder und übernimmt das Amt des Schriftführers. Der neue Vorsitzende heißt Heinz Ilsemann. Weitere Neuerungen folgen: 1972 gehören bereits 172 Mitglieder dem Verein an. Die Schützen nehmen in diesem Jahr an 35 Wettkämpfen mit 54 Mannschaften teil und verschossen auf diesen bzw. zu Übungszwecken 25.000 Schuß KK- und die gleiche Anzahl Luftgewehrmunition. Diese Arbeit und diese Leistungen sind nur möglich dank aufopfernden Einsatzes aller Vorstands- und Vereinsmitglieder! Von besonders engagierten Kameraden werden Pokale gestiftet und ein Orts- und Maipokalschießen eingeführt. Die Satzung wird mehrfach berichtigt und ordnungsgemäß beschlossen. Der Schützenverein wird als "eingetragener Verein" im Register des zuständigen Amtsgerichts geführt. Entsprechend den vielen Schießgruppen wird die Zahl der Vorstandsmitglieder erhöht, wie auch viele neue Ehrungen vorgenommen werden. Neben König, Jugendkönig und Königin gibt es jetzt auch jeweils einen Alterskönig und eine Volksscheibe..
Von 1975 an erregen die Planungen zum Neubau der Schießhalle die Gemüter, die eine zu starke finanzielle Belastung befürchten, so daß nicht weniger als 17 Austritte erfolgen, aber auch sechs neue Mitglieder aufgenommen werden. Die letzten Monate und Wochen vor der 50-Jahr-Feier nehmen die Kameraden mit den Bauarbeiten so sehr in Anspruch, daß fast alle Schießveranstaltungen abgesagt werden.
Daß die Mitarbeit im Vorstand oder im Verein nicht nur harte Arbeit bedeutet (manche Sitzungen dauerten bis 24.00 Uhr), sondern auch Freude bringen und humorvoll sein kann, beweisen folgende Auszüge:
"Unser Hauptmann kam inzwischen auf den Hund. Die Schokolade, für die Familie bestimmt, jetzt der Hund nimmt."
"Könige, die im Nachbarort wohnen, sollen beim Grenzübertritt zum Schützenfest mit einem Faß Bier, einer Flasche Korn und einer Mettwurst eingelöst bzw. freigekauft werden."
"Die Erfolge im letzten Schützenjahr waren so groß, daß man befürchten muß, daß der Pokalschrank den Segen nicht mehr fassen kann."
"Der 1. Vorsitzende unterbricht die Sitzung wegen PP um 22.20 Uhr - Fortsetzung der Sitzung um 22.23."
"Unterbrechung der Sitzung zwecks Einnahme eines Imbiß um 22.45 Uhr - Fortsetzung der Sitzung um 22.55 Uhr."
"Egentlich woll ik dat jo nich!" - "Das Stichwort ist gefallen."
Der Stil hat sich gewandelt, der Inhalt blieb, nämlich die sportliche Aktivität und parteipolitische Neutralität!!! Die Enkel der Gründer sowie viele Neubürger stellen jetzt die aktiven Mitglieder des Schützenvereins.
Geblieben ist vor allem die Objektivität bei der Ermittlung der besten Schützen, insbesondere beim Königsschießen, wo immer noch mit einem vereinseigenen Kleinkalibergewehr ohne Anzeige, anonym für den Mann an der Scheibe, auf dem 100 m Stand geschossen und die Leistung mit dem Zirkel von einer gemischten, neutralen Kommission ausgewertet wird; geblieben sind die Volksverbundenheit des Schießsports und die Kameradschaft unter Schützinnen und Schützen, die ihren Schießhallenneubau wieder in Eigenleistung errichten. Und geblieben ist der Wahlspruch, der unter dem Vereinswappen auf der Fahne steht:
"Klar das Auge, fest die Hand, treu das Herz fürs Vaterland."
Günter Wiedenbach